Antiwerbung in Eisenach fotografiert

 

Hier war ein Foto zu sehen, auf dem Werbung für den Kirchenaustritt gemacht wurde, aufgemacht in einer nicht gerade freundlichen Art…

Zunächst dachte ich an DIE deutsche Zeitung, sieht schon bisschen marktschreierisch aus. Also habe ich mich mal an die Suche nach Infos gemacht und habe tatsächlich einige nachdenkenswerte Details gefunden, die allerdings auch innerkirchlich – gerade um die 1990er Jahre herum – intensiv diskutiert wurden: Religionsunterricht an Schulen? Kirchensteuer über den Staat eingezogen und gleichzeitig noch steuerlich absetzbar? Sicher, manche Argumentationen erscheinen mir auf den verschiedenen besuchten Homepages auch nicht ganz koscher. Wenn zum Beispiel in einer Stadt eine Kirche steht, die dringend saniert werden muss, für gemeindliche Belange aber eigentlich gar nicht mehr gebraucht wird und andererseits wichtig für das Stadtbild ist, so ist eine staatliche Beteiligung nur logisch. Auch für Privathäuser, die unter Denkmalschutz stehen, gibt es ja Förderung…

Für eine sachliche Betrachtung der Dinge bin ich in jedem Fall. Eine Trennung von Staat und Kirche ist an diesem Punkt ganz sicher noch lange nicht vollzogen und würde natürlich auch Schmerzen verursachen. Aber würde sie nicht auch mehr Glaubwürdigkeit bringen? Unsere Kirche – ich spreche hier erstmal nur von der evangelischen – hat sich an vielen Stellen gut eingerichtet und ist bequem geworden. Was heißt es, zu verzichten, den Armen und Kranken zu helfen, sich in die Gesellschaft einzumischen? Ist es zeitgemäß und Aufgabe der Kirche, mit Seelsorgern Militäreinsätze zu begleiten? Müssen wir nicht viel mehr Vorbild sein für solidarisches Miteinander, für Modelle einer gerechteren Welt?

Mir ist die Information auf einschlägigen Seiten, die bei entsprechender Stichworteingabe erscheinen und die auf der Homepage der entsprechenden Vereine zu finden sind, vielfach zu einseitig. Ich kann sie auch nur glauben oder eben nicht. Insofern finde ich sie nicht wirklich hilfreich. Leider konnte ich bei der ersten Suche aber kaum informierendes Material z.B. von kirchlicher Seite finden. Zumindest stehen sich da Behauptungen gegenüber. Mehr Transparenz unserer Kirche wäre also angebracht und würde vielleicht manches Argument entkräften. Prinzipiell ist der Anstoß aber wichtig und ich werde das Thema weiterverfolgen. Bleiben am Schluss mehr Fragen als Antworten.

Oft könnte auch ich an der Last der Traditionen, Gewohnheitsrechte und Geschichte der Kirche verzweifeln. Bewusst habe ich mich vor knapp zwei Jahren wieder für eine Arbeit in der evangelischen Kirche entschieden (und verdiene damit meinen Lebensunterhalt). Mir geht es vor allem um pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Diese verfolgt für mich nicht vorrangig das Ziel zu missionieren, sondern ihnen zu helfen, besser und selbstbestimmter in ihrer Lebenswelt zurecht zu kommen. Unbedingtes Vorbild ist und bleibt für mich Jesus von Nazareth, wohl wissend, dass ich meist nicht so radikal und konsequent im Einsatz für die Menschen bin. Froh bin ich darüber, dass Fehler zulässig sind, wenn sie entsprechend genutzt werden, um es zukünftig besser zu machen.

So, jetzt höre ich mal auf zu schreiben – es ist alles sehr spontan verfasst und auch nicht als die Wahrheit zu verstehen. Gern würde ich auch Meinungen von anderen hören. Gerade von Leuten, denen selbst ihre Kirche an Herzen liegt. An Austritt habe ich jedenfalls trotz der vielen Unzufriedenheiten in all den Jahren meiner Mitgliedschaft nicht gedacht.

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