Erinnerungen an den 13. Februar

Natürlich, ich habe keine Erinnerungen an den Februartag 1945. Meine Erinnerungen stammen aus den achtziger Jahren, als ich zeitweise in Dresden lebte und zu diesem Gedenktag ein ganz besonderes Verhältnis entwickelte. Oft wenn ich durch die Stadt ging, vor allem in den Bezirken am Rande der Altstadt, sah ich noch Grundmauern stehen, genutzt als Grundstücksbegrenzung oder einfach so auf der Wiese. Es ließ mich immer sehr nachdenklich werden. Es war eine unmittelbare Anwesenheit von Geschichte spürbar. Nicht abstrakt, sondern sichtbar und fühlbar, wenn man offenen Auges durch die Stadt ging. Anstelle der alten Bürgerhäuser standen da meist die typischen Neubaublocks ohne jeglichen Sinn für Ästhetik, was in Dresden besonders schmerzhaft sichtbar wurde.

Und die Frauenkirchruine – ich gehörte auch zu denen, die diesen Ort sehr eindrücklich und wichtig fanden, um die Geschehnisse nicht zu vergessen. Wer einmal dabei war, als die zahllosen Kerzen vor der Ruine abgestellt wurden, der ist ergriffen. Schon damals passte diese Ruine nicht in das Bild. Es wurde immer wieder versucht, das Gedenken vor Ort zu verhindern. Jahr für Jahr gab es Verhaftungen im Umfeld, einmal erinnere ich mich, stand ein Bauzaun und sollte das Kerzenaufstellen verhindern. Später dann, als es um den Wiederaufbau ging, konnte ich mich mit dem Verschwinden dieser Ruine nicht anfreunden. Bis heute werde ich nicht warm mit dem neuen alten Bauwerk. Aber dazu wurde ja schon oft genug gestritten.

Das Erinnern ist nicht nur wegen der wiederaufgebauten Frauenkirche anders geworden. Es macht mich fassungslos und wütend, dass rechtsextreme Truppen hier, ausgerechnet hier, das Gedenken an die Zerstörung Dresdens und den Tod der vielen Menschen verhöhnen wollen. Anderseits habe ich  in die Menschen Dresdens das Vertrauen, dass sie sich nicht missbrauchen lassen.  So wie in anderen deutschen Städten sollte es doch gelingen, die Gruselaufmärsche der Rechtsextremen zu verhindern. Unterstützung von außerhalb ist sicher, weil es natürlich nicht nur eine Sache der DresdnerInnen ist…

Das Landesjugendpfarramt Sachsen veröffentlichte diesen Aufruf:

„Als evangelische Jugend finden wir es notwendig zu handeln, wenn Neonazis erneut versuchen einen der größten Aufmärsche Europas in unserer Landeshauptstadt abzuhalten und ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten. Wie im letzten Jahr in Jena, Köln, Berlin und dieses Jahr in Leipzig will sich auch 2011 in Dresden ein breites Bündnis durch Aktionen des zivilen Ungehorsams mit Menschenblockaden den Nazis entgegenstellen.

Als Christen werden wir nicht wegsehen, sondern werden uns in unserer vielfältigen Art und Weise an den Protesten gegen Aktionen von Neonazis rund um den 13. Februar 2011 in Dresden beteiligen. Wir rufen die Evangelische Jugend dazu auf, den Rechtsextremen nicht die Straße zu überlassen, sondern wollen den Neonazis, aber auch Dresden und der Welt zeigen, dass braunes Gedankengut bei uns keinen Raum haben darf und soll.“

Der Landesjugendkonvent ruft alle Einrichtungen und Mitarbeiter der Jugendarbeit in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens dazu auf, sich diesem Aufruf anzuschließen und über geeignete Wege den Jugendlichen unserer Jugendarbeit zur Kenntnis zu geben. Er hofft, auf diesem Wege so viele Menschen wie möglich zu mobilisieren und am 13. Februar in Dresden zu sehen.

Einen kleinen Text aus dem Jahr 1985 will ich hier noch veröffentlichen, auch wenn ich das heute anders schreiben würde, es berührt mich immer noch:

13. Februar

weisst du noch
als du letztes jahr an diesem tag
– es war wohl schon abends –
das zweite mal bei mir warst ?

ich kann mich noch ganz genau erinnern:
es spielte halblaut procul harum
wir hatten zusammen tee getrunken
und lange geschwiegen
die gedanken gingen
– schon halb verzweifelt –
mal zurück
rekonstruierten die letzte zeit
und sagten sich das berühmte
„jetzt oder nie“
und da hast endlich
du
das schweigen gebrochen
hast gesagt
was wir längst schon wussten…

an all das denke ich heute
heute
wo die sonne scheint
aber mich trotzdem friert
alles weiss ist und kalt
ein hubschrauber zum zeichen des friedens
seine kreise zwischen den kirchtürmen zieht
und die sirene
„mittwoch um eins“ heult…
in einem kleinen schaufenster
ein wenig abseits
stehen zwei altarkerzen –
bis jetzt brennen sie noch ruhig.

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