Das nächtliche Wiesel – so was wie eine Fabel

Eines Nachts gehe ich in einer kleinen Stadt eine kleine Straße hinab. Völlig in Gedanken. Allein mit mir und einer gelblichen Straßenlaterne. Ich denke nach über die wichtigen Dinge der Welt. Wie es sei, etwas Neues zu tun. Große Gedanken. Geradlinig und schwer. Ein bisschen erhaben auch. Aber sie beflügeln. Wenn ich unten am Ende der Straße angekommen bin, weiß ich: morgen werde ich es tun.

Ein Seufzer entfährt mir, ohne dass ich es beabsichtigt hätte.

Da plötzlich, fast wäre ich drüber gestolpert, taucht vor meinen Füßen ein kleines flinkes, wendiges Tierchen auf. Wäre ich nicht stehngeblieben, ich hätte es glatt zertreten! Es schaut mich aus glitzernden Äuglein an. Fast kommt mir vor, es will mit mir sprechen. Da! Es vollführt eine kleine elegante Wendung und steht plötzlich auf meiner linken Seite. Dann wieder eine Drehung, ein sanftes Schwingen, ein Huschen durch den Schatten, da ist es meinen Blicken entschwunden. Schon will ich weitergehen, da taucht es wieder auf. Diesmal fixiert dieses kleine Tierchen ganz fest meinen Blick. Und dann – macht es tatsächlich sein spitzes Mäulchen auf und beginnt, kaum merklich, zu sprechen.

“Du wunderst dich sicher über mich. Ganz meinerseits. Grübelst über großen Gedanken. Falten auf der Stirn. Dir fehlt die Leichtigkeit, will sagen die Fähigkeit, die Eleganz der schnellen Drehung. Sieh mich an.” Und schon vollführte das Tierchen wieder eine seiner blitzschnellen Wendungen, so dass mir schon ein bisschen schwindlig vor Augen wurde. “Siehst du, geht es hier nicht weiter, so drehe ich mich in die andere Richtung, kommst du mit deinen groben Schuhen mir zu nahe, weiche ich einfach aus und überrasche dich aus einer ganz unerwarteten Richtung. Gehst du einfach geradeaus und denkst schon mit Seufzen an dein großes Ziel, schlage ich noch schnell einen Haken, peile mein nächstes Ziel an und habe dich vollkommen verwirrt. Und willst du mich in die Enge treiben, so ist mir die kleinste Lücke noch groß genug, um dir im Handumdrehn zu entwischen.”

Das kleine Tierchen wieselt und wuselt um mich herum, ich höre es weiter reden von List und Tücke, von Schlauheit und Taktik, lasse mich belehren über Diplomatie und Winkelzüge… Es wirbelt in meinem Kopf, dass ich nicht mehr weiß wie mir geschieht. Bis ich plötzlich wieder hellwach bin. Gerade höre ich “…du armer Tropf, nimm dir ein Beispiel an mir…” da sehe ich es schlingern neben mir, Gummi auf Pflastersteinen, ein Aufheulen eines Motors, Rücklichter am Ende der Straße und

da liegt das kleine Tierchen am Rand der Straße. Ein kleines Blutrinnsal aus dem Mäulchen. Ich schüttle den Kopf. “Armes Tierchen. Hast du nicht grad noch zu mir gesprochen?” Ungemütlich berührt gehe ich bis ans Ende der Straße.

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