Einladung

KücheInnen. Komm rein und lass dich nieder. Teile ein wenig Zeit, Gedanken, Bilder, Gefühle. Schau ab und zu rein, denn in unregelmäßiger Folge gibt’s Neues, das von Innen nach Außen will. Themen nach Lust und Laune und folgen keinem bestimmten Schema, außer meinen augenblicklichen Gedanken und Innenwelten. Äußerlichkeiten, Anschein und Blenderei sind gelegentlich Anlass für einen kleinen Artikel. Die erscheinen Innen & Außen. Auf dieser Seite schreibe ich mitunter einen kleinen Gedanken über Alltägliches. Für Kommentare und Anmerkungen ist Platz. Über Kontakt freue ich mich. Willkommen.

Verzauberung aber keine Zauberei … 23. September 2017

Nachwirkungen gibt es immer noch, obwohl unser Englandurlaub schon eine ganze Weile zurückliegt. Es war so eine Art Verzauberung, ohne dass es schwierig wäre, diese zu erreichen. Einfach eine andere Art, das Leben zu betrachten. Warum das in England möglich ist, während es bei uns – in der Oberlausitz, in Ostdeutschland? scheinbar nicht denkbar ist, habe ich noch nicht ergründen können.

Was ich meine, ist diese Entspanntheit, das einfache Lächeln für den anderen, die übergroße und beruhigende Hilfsbereitschaft, die einen geradezu geborgen sein lässt: Der Busfahrer, der jeden Tag dieselbe Strecke dieselben nervigen Touristen kutschiert, hat immer noch gute Laune, gibt geduldig die immer gleichen Hinweise und macht nebenher noch ein paar Späße. Man hat den Eindruck, seine Arbeit macht ihm Spaß. Ob die Verkäuferin, der Kellner, die Gastgeberin im Bed & Breakfast – überall erntet man Freundlichkeit, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft. Als wir einen zum Glück recht glimpflich verlaufenen Unfall mit unserem Leihwagen haben, sind sofort alle möglichen Menschen da: zwei regeln den Verkehr, eine Frau beruhigt und bietet den sprichwörtlichen Tee an, ein Mann leiht sein Telefon und übernimmt dann selbst die Gespräche mit der Versicherung, da er als Eventmanager weiß, wie er alles regeln muss… Zwei Tage werden wir in seinem B & B verwöhnt und alles geklärt, bis ein neues Auto auf dem Hof steht.

Oft denke ich bis heute, ob mir das auch hier so gegangen wäre? Es ist ja oft ganz einfach. Aber das Kontrastprogramm erlebe ich gleich am nächsten Morgen, wieder zu Hause. Der griesgrämige Mann, der keinen Schritt beiseite geht, als ich etwas traumverloren den Weg lang komme, die Bäckerin, die mit verkniffenem Gesicht die Brötchen verkauft… Und so könnte ich weiter aufzählen. Unzählige Male schimpfende, beleidigende Menschen (dabei zum Beispiel auch ein Busfahrer). Frage ich mich nun, ist das ein Phänomen des Ostens? Bin ich dem ausgeliefert? Nein, ich nehme mir vor, möglichst immer mit offenem, freien Blick und womöglich einem Lächeln durch die Gegend zu laufen. Das steckt an, zuallererst mich selbst.

Neugierig bleiben … 10. Januar 2017

Ganz oft erwische ich mich, wie ich die Dinge schon vorher zu kennen meine und nichts Neues mehr erwarte. Alles passt ins Bild und es gibt keine Überraschungen mehr. Was natürlich zur Folge hat, dass es auch keine Spannung gibt. Und die ist ja eigentlich wünschenswert. Spannung, Widerspruch, Konflikt, Gegensätze. Oft machen sie Angst und deshalb greife ich lieber auf das Altbekannte zurück.

Um so glücklicher bin ich, wenn ich auf meiner gegenwärtigen Arbeit ständig sicher Geglaubtes neu ordnen, überprüfen oder revidieren muss. Nein, Afrikaner würzen nicht unbedingt exotisch. Sie mögen oft die gleichen Dinge, wie „unsere“ Jugendlichen. Sie hören exakt die gleiche Musik, kleiden sich (möglichst) genauso nach der entsprechenden Mode… Ich freue mich auch über die Gastfreundschaft – immer wieder werde ich zum Essen eingeladen – freue mich über die Begeisterung über den ersten Schnee des Lebens, bewundere die Ausdauer beim Sprache lernen, wundere mich über das lebhafte, gestenreiche Sprechen… Ja, es könnte mich ängstigen. Aber es kann mich auch erinnern, dass die Welt größer ist, als mein Horizont. Ich kann mich beschenken lassen durch neue Erfahrungen. Und das funktioniert.

Wenn es doch viel, viel mehr Menschen hierzulande gäbe, die das auch aus erster Hand erleben dürften.

So viel „Müssen“ … 22. Juni 2015

Seit längerem schon hab ich den Eindruck, dass ich zu viel sage: „Ich muss…“ und dann passiert nix, weil es ja auch nicht unbedingt immer schön ist, etwas tun zu müssen. Selbst bei Projekten, die mir persönlich wichtig sind, mache ich nicht einfach los, sondern sage (auch zu mir) „Ich muss jetzt das und jenes tun…“ Oft ist es dann so, dass ich am Ende gar nichts tue und darüber auch unglücklich bin. Neulich sagte eine Physiotherapeutin zu mir, „Sie sind wohl ziemlich aktiv ?“ Ich verneinte. Nein, für besonders aktiv halte ich mich nicht. Raffe mich nicht zu irgendwelchem Sport auf, gehe selten noch raus in den Wald, tue einfach das, was ich beruflich tun muss. Aber warum nicht mit mehr Spaß ? Es ist doch eine Arbeit, die gut zu mir passt, ich habe angenehme KollegInnen, flexible Arbeitszeiten, verdiene Geld und habe auch noch Freizeit. Warum also diese Unzufriedenheit ? Warum nicht die freie Zeit nutzen und all das Schöne tun, was ich gern will ? Selbst beim Nichtstun bleibt noch der Druck, „eigentlich“ etwas tun zu müssen.

Sterne weg … 21. Januar 2014

Ein bisschen gewöhnungsbedürftig die Kargheit, mit der mich die Fenster wieder anschauen. Die leuchtenden Sterne sind wieder herunter geholt und zwischen die Seiten der uralten Zeitschrift gesteckt. Der Baum schmucklos und trocken lehnt schief neben der Haustür. Ein wenig Schneekriesel nebelt herab vom verhangenen Himmel. Ein paar nackte Zweige bereiten sich auf dem Tisch vor auf kleine grüne Spitzen. Es ist eine leise Zeit, behutsam und ungewiss. Vielleicht auch verheißungsvoll – nach den voll beladenen Tagen in rot und gold.

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Alles neu … 10. November 2013

Ehrlich gesagt ist es ja schon ein Weilchen her, dass wir umgezogen sind. Mut gehabt und sich in ein offenes Abenteuer gestürzt. Haus verkauft, Arbeit gekündigt. Von Freunden und Kollegen verabschiedet. Nun hier. Naja, nicht so furchtbar weit weg, aber doch ein neues Umfeld. Erste neue Kontakte. Spazierwege durch eine noch unbekannte Natur. Suche nach Aufgaben, reifen von Entscheidungen. Bewerbungen und Gespräche. Ruhe und Abstand. Sich wirklich Zeit lassen. Nicht gleich wieder in die nächste Arbeit stürzen ohne das Alte wirklich abgeschlossen oder verarbeitet zu haben. Nun eröffnen sich verschiedene Wege. Es ist nicht nur eindimensional das Leben. Ich muss nicht nur hinter irgendwas her rennen, ich habe es selbst in der Hand. Ich habe Vertrauen in die eigene Intuition und in das, was mir von oben her „eingeflüstert“ wird.

Kraftprobe … 29. April 2013

Es ist abends 10 und der Sohn (15) noch nicht zu Hause. Auf die Frage, wo er denn sei, er müsse eine Freundin trösten, die grad von ihrem Freund verlassen wurde. Du bist bis um 10 zu Hause. Jetzt müsste er da sein. Ist er aber nicht. Habe schon mal den Internetzugang zu seinem Computer gesperrt. Schaue in sein Zimmer. Ähnelt einer Müllhalde. Reden hilft nichts mehr. Denke an meine Jugendzeit. Wie war das bei mir ? Hatte weder Internet noch ein eigenes Zimmer, insofern war die Versuchung deutlich geringer. Später wünschte ich mir, meine Eltern hätten manchmal deutlichere Ansagen gemacht, hätten klar gesagt, was sie von mir erwarten. Statt dessen: Du machst das schon, wir trauen dir das zu, dass du verantwortungsvoll (!) bist. Völlig überfordert natürlich. Und nun bin ich in der Situation. Kräftemessen. Wer hat das Sagen im Haus ? Wie weit kann ich gehn, bis Vater Stop sagt. Und dann mal eine Weile etwas netter sein, bis es wieder geht. Und nun nehm ich mir vor, standhaft zu bleiben. Konsequenzen. Klare Kante: Das ging zu weit. Ob es mir gelingen wird ?

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Nebelwald

Unklar … April 2013

Das Hinundhermäandern (schönes Wort) der Gedanken, Gefühle, Pläne ist ganz schön zehrend. Es braucht unheimlich viel Energie, die Dinge immer wieder zu bewegen und doch keinen letztendlichen Entschluss zu finden. Man KANN einfach nicht in die Zukunft sehen. Es gibt die vernünftige Variante. Und es gibt die Gefühle, die etwas anderes wollen, die immer wieder fragen: Was willst du wirklich, was willst du aufs Spiel setzen ?

Und ich sitze grad etwas isoliert hier und führe Selbstgespräche. Wer außer meiner Frau könnte bei den Entscheidungen helfen, kennt sie mich doch (zu) gut. Aber sie zieht sich zurück, ist im neuen Job so beschlagnahmt, dass sie gar keine Gedanken mehr frei hat. Das macht es nicht einfacher. So suche ich mir also Menschen, die ich auch schon länger kenne, telefoniere, besuche, rede und versuche, die Zukunft zu ordnen… Stelle dabei fest, nein, ich bin kein Einzelgänger oder -kämpfer.

Aufbrechen … März 2013

Langsam beginnen sich die Gedanken zu ordnen, tun sich wieder Wege auf. Zumindest sind sie sichtbar. Gehen muss ich sie noch. Insofern gilt auch wieder und immer noch: aufraffen ! — Es bleiben noch 4 Monate hier in diesem Haus. Da streiten die zwei Seelen in der Brust. Die eine, die erleichtert sein wird, dass eine Menge Arbeit und Sorgen mit dem mittlerweile viel zu großen Haus wegfallen. Die andere, die an dem Sonnenlicht auf der Lehmwand, den breiten Holzdielen, den Fliesenscherbenmosaiken, der altertümlich Türklinke, den abblätternden Farben um die Fenster hängt… Es wird ein Abschiedsritual brauchen. Etwas, das es leichter macht, das die vergangene Zeit im heimatlichen Haus abschließt. Und dann die Kisten, die immer noch voller alter Papiere, Briefe, verstaubter Andenken sind. Was tun damit ? Einfach in den Container ? Ein paar Dinge aufheben ? Was ist das wert ? Materialisierte Vergangenheit ? Vielleicht ein großes Feuer auf dem Hof. — Bleiben noch 4 Monate, Dinge zu Ende zu bringen, Projekte zu übergeben, Material zu ordnen. Abschließen, verabschieden von Kollegen, Kolleginnen, von lieb gewordnen Menschen, mit denen ich einen guten Faden gesponnen habe. Formen finden für einen guten Abgang. Und dann Gedanken machen, wie’s weiter geht nach dem Umzug. Die Chance, jetzt etwas anderes zu machen – zwei Drittel Zeit sind rum, da bleibt nicht mehr viel Zeit für grundsätzliche Veränderungen. Was will ich noch in Angriff nehmen ? Welche Lebenslüge will ich über Bord werfen ? Wo will ich meine Kräfte hinlenken ? Mit welchen Menschen will ich leben und arbeiten ? Angst, dass doch wieder Vieles beim Alten bleibt. Ja, auch das Unterbewusstsein  die Seele von Staub und Ablagerungen, von Müll und Verkrustungen frei machen. Pilgern ? Holotropes Atmen ? Beziehungen neu gestalten ? 4 Monate noch Zeit. Viel Zeit. Wenig Zeit. Wenn ich doch wüsste, was danach kommt.

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Aufraffen … März 2012

Draußen geht alles sehr schnell: vergessen schon die Schneetage mit ewigem Holzschleppen und Warten auf wärmere Tage. Es ist grad so eine Zeit dazwischen. Noch ist es nicht grün überall. Vorsichtig ein paar Spitzen, Blüten, kleine und leuchtend. Aber der Himmel tiefblau,  blendend die Sonne, die Temperaturen übertrieben. Eigentlich sollte es jetzt losgehen. Aber was ? Der Plan der Natur ist absehbar. Wiederholt sich in jedem Jahr und überwältigt doch immer wieder. Aber wie sieht es mit dem eigenen Erwachen aus ? Ewig reift etwas und ist nicht greifbar. Nicht erzwingbar. Es ist wie mit den alten Brombeerranken im „Hühnergarten“: sie angeln nach dem Hosenbein, halten dich fest im Lauf, lassen dich stolpern. Ersatzweise tue ich Unnützes, warte, laufe hin und her, starre in die Zeit, trinke Tee, strenge das Hirn an, suche nach Bildern, nach Worten, nach Erlösung. Was kommt da noch ? Kommt noch was ? Festgehalten. Fehl am Platz.

Schmerz im Schmerz … Februar 2012

Neulich wieder Sitzung bei Mr. E. Erst plätschert es so dahin, dann versiegen die Gedanken, der Kopf ist leer. Was soll ich erzählen ? Es kommt einfach nix. Dann aber gebe ich mir einen Stoß und beginne von meinem Gefühl zu sprechen… Langsam löst sich was. Schmerzen im Rücken, Hals, inzwischen so dominierend, dass sie nicht mehr ignoriert werden können. Sie drängen sich geradezu nach vorn: Nimm mich doch endlich mal wahr ! Ich tue es und spüre, dass dahinter noch ein anderer Schmerz steckt. Da sagt etwas: Sei gut zu mir, nimm mich wahr, tröste mich. Aber ich weiß nicht, wo der Schmerz herkommt. Was zeigt sich da von ferne, lässt sich aber nicht fassen. Tränen steigen in die Augen. Ich weiß, es stimmt dieses Gefühl. Dann zieht sich der Vorhang wieder zu. Die kahlen Bäume stehen wieder vor dem Fenster, der Himmel winterkaltblau, Mr. E. mir gegenüber. Es geht nicht weiter. Aber ich weiß, dort muss ich nochmal hin, hier muss ich nochmal die Treppen in irgendwelche Keller steigen. Ich bin auch froh. Darüber, dass die tiefen Dinge manchmal siegen über den  Verstand, manchmal in der Lage sind, die eingebauten Filter zu durchbrechen.

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SonnenuntergangSommer in Melancholie … Juni 2011

Wenn man von Termin zu Termin hetzt, kaum zur Besinnung kommt zwischendurch, so kommt zuweilen – wenn mal ein kurzes Aufatmen passiert – vor allem die Traurigkeit, dass alles so schnell vorbeigeht, die Blumen zu schnell verblühen und die Begegnungen mit zig Menschen nur so am Rande noch passieren, aber nicht mehr in die Tiefe sinken, weil immer schon der Gedanke an das Nächste den Blick verstellt. Silly singt „Alles wird besser, nichts wird gut.“ Diese Zeile geht mir bei verschiedensten Gelegenheiten durch den Kopf. Die Hoffnung, dass ich es besser mache, mich besser strukturiere, mehr Zeit für mich und mein Umfeld nehme… und dann seit Wochen, Monaten, das Erleben, es wird nicht wirklich besser. Nur noch eins: Einfach verweigern. Dasitzen, nichts tun, nichts denken, nichts sagen.

13. Februar… Januar 2011

Als ich grad den neuen Artikel verfasst habe, bin ich wiedermal in die Zeit der 80er reingerutscht. Habe mein Buch aufgeschlagen mit den damaligen Gedichten. Naja, vieles kann man heute nicht mehr als solches lesen. Mir geht‘ s so, wie wohl jedem, der diese alten Geschichten wieder in die Hände kriegt: die Form wird unwesentlich, es steigen aus den Texten die Erinnerungen heraus. An Orte, Begegnungen, Träume, Freunde (oder Freundinnen), Wegbegleiter, Konflikte. Nimm dir mal ein bisschen Zeit und schau selbst mal wieder, was da noch in irgendeiner Schublade schlummert. Es lohnt sich in jedem Fall.

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Gelassenheit… November 2010

Ist überhaupt das Beste, was man bei dem Wetter, oder besser gesagt bei dem Zustand der Welt grad erreichen kann. Es ist nur ein ganz kleiner Unterschied, eine kleine Perspektivänderung, die da passiert und doch hat sie so viel Wirkung.

Nicht immer 100 Prozent erreichen wollen, nicht perfekt sein müssen, über einen (eignen) Fehler lächeln, dem Vogel vor dem Fenster nahe sein, in Gedanken an der Nordsee spazieren gehn, das Herz bei Bedarf auf der Zunge tragen, Mitleid empfinden, heißen Tee trinken, sich streicheln – wenn es grad kein andrer tut. Milde, gut sein, nachsichtig, langsam…

Schön zu spüren, wie die eigene Gelassenheit auf die Menschen in meiner Umgebung ausstrahlt, wie diese sich gleich entspannen, was wiederum auf mich wirkt und mich freudig erregt, was wiederum… es ist ein Teu…, nein so kann man es nicht nennen. Es ist Kreislauf von Liebe vielleicht ?

Friedhof… November 2010

Sonntagabend hatte ich dann noch Zeit und setzte mich ins Auto. Mit dabei eine Kerze, ein bisschen gelbes Papier, einen Brief. Ich wollte jemand besuchen. Aber es war schon spät und ich war mir nicht sicher, ob das Tor noch offen ist. Naja, vielleicht könnte ich ihn ja auch ganz woanders treffen ? Wo waren die Orte, die ich mit ihm in Verbindung bringe ? Mir fiel nichts ein. Oder doch. Ein paar Erinnerungen, ein paar Momente. Aber ein Ort ? So musste es also doch der Friedhof sein…

Das Tor zu. Was jetzt ? Na gut, ich bin dann doch noch reingekommen. Dort hinten an der Baumgruppe, da ist es. Ich finde es ohne Schwierigkeiten. Zünde die Kerze an, stelle sie auf‘ s Grab, das gelbe Papier als Windschutz. Es leuchtet warm. Ringsum dunkel. Tropfen von den Bäumen. Ich bleibe ganz still stehen. Nichts. Warten. Einfach still sein und da sein. Bewegungslos zu stehn, nichts zu tun, nichts zu sagen, nichts konkretes zu denken – das ist schwer. Irgendwann höre ich ein Geräusch. Ich wende meinen Kopf. Nichts. Stille.

Meinen Brief lege ich unter einen Kranz, der auf dem Kopfende des Grabes liegt. Klar, der war wohl mehr für mich geschrieben. Aber nicht nur. Irgendwo gibt es vielleicht eine Verbindung. Ein Gedanke: vielleicht findet den Brief jemand anderes, macht ihn auf, liest ? Aber, was soll‘ s. Außerdem wird er bald vom Regen durchweicht und die Tinte verwaschen sein.

… so war er mir doch nochmal nahe. Keine schlechten Gedanken. Einfach ein Treiben durch Erinnerungen. Ein schöner Abend und ein wertvoller Augenblick. Auf dem Friedhof. In der dunklen Stille.

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Winterschlaf… November 2010

Es ist der Gegenpart zur Anspannung, zum Gedankenkarussell, zu den Fallstricken der Erwartungen, den sich türmenden Aufgabenbergen. Wenn kaum spürbar ein Gleiten einsetzt, fahles Licht, flatterndes Schattengeäst, ein dunkler Vorhang sich kaum merklich vorschiebt, dass du dich fragst, wo warst du gerade ? Die Bilder sind klar aber unendlich fern, du sitzt in einem Zimmer, schaust aus dem Fenster – aber du begreifst nicht, wo du bist. Es beschleicht dich und nistet sich ein. Es wäre Erlösung. Legen. Hier auf der Stelle, eine Decke bis über den Kopf, abhaltend Kälte. Rings wiegende Dunkelheit, sanft einlullendes Nichts. Winterschlaf: Den Stoffwechsel auf ein Minimum reduziert. Das Karussell stehengeblieben, Stricke hängen schlaff, der Berg fließt auseinander.  Kein tiefer Fall, kein Schmerz in der Magengegend. Fast spürbar tief dunkles, grünlich-blau schimmerndes Wasser ringsum, träge darin gleitend farbfleckige, leuchtende, glitzernde Fische, ziehen ihre schwebende Bahn.

Und schlafen. Und schlafen. Und schlafen. Vorerst nicht denken ans Aufwachen im fernen Frühjahr.

Wann hast du zum letzten Mal ? November 2010

Eine Nacht lang Sätze in den Computer geschrieben und ungeduldig auf die Antworten gewartet. Dich mitten in der Nacht – oder eigentlich schon am Morgen – auf‘ s Fahrrad gesetzt, mit Wein benebelt, kuriosen, verrückten Gedanken und Vorfreude losgefahren. Dich zu unmöglicher Zeit getroffen, um das Gespräch fortzusetzen. Beim Konzert die Tränen gespürt, weil du an das Vergebliche, Verlorene, Vermisste, Versuchte… gedacht hast. Ein viel zu starkes Zigarillo geraucht, an einem Ort, an dem noch nie (!) jemand geraucht hat. Dich gefragt, warum sie sich nicht meldet, warum du eigentlich lebst, ob du zufrieden bist, ob du fremdgesteuert lebst, was du am liebsten tun würdest, was dich daran hindert, warum alles so kompliziert anders ist, wohin du mit deinen Gedanken hin kannst, ob du etwas ändern willst…

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Im Kreis oder raus … Oktober 2010

Das kennt jede(r). Ein Tag reiht sich an den anderen, eine Verpflichtung gleicht der nächsten. Der Austausch mit den KollegInnen dient vor allem dem Frustabwurf. Es sind immer gleiche Gedanken, die aus dem Kreisen nicht herauskommen. Weil es einfach keine Lösung, keine Sicht auf Veränderung gibt. Die Möglichkeit, etwas zu verändern ist im System nicht vorgesehen. Dies dient nicht zuletzt dem Erhalt von übergeordneten Interessen. An die komme ich nicht ran. Die sind mittlerweile kaum noch die meinen. Bleibt die Ergebung und der Rückzug in den eignen kleinen Käfig – machen, was halt geht, jeder für sich. Oder – so meine Befürchtung – raus aus dem Kreis, mit einem kraftvollen „Befreiungsschlag“. Das Hin und Her, das Unentschlossene, das Kompromisssuchende, das Verkriechende, sich selbst Bemitleidende bringt nur eine neue Runde im Kreis, lässt schmerzhaft klar werden, dass sich so nichts ändert. Außer, dass die Kraft abnimmt für das Aufbegehren, das Neuanfangen, das Unerwartete, das Schöne. Ja. Es ist richtig, dass es auch noch Leute gibt, die mich brauchen, denen ich vielleicht jetzt – in meiner Position – wichtig bin. Abwägen: Die anderen oder ich ? Beides scheint nicht mehr zu gehen.

Frühjahrsputz … März 2010

Draußen grauenhafter Wind, ein paar Schneeflecke noch aus dem Wohnzimmerfenster zu sehn. Es ist immer noch kalt. Nicht nur äußerlich. Das Jahr läuft einfach nicht gut. Die Aufgaben häufen sich wie die alten grauen Schneeberge an den Wegrändern und die Sonne reicht nicht, sie zu schmelzen. Hocke allein am Schreibtisch und verwalte das Chaos. Mir ist mehr nach verreisen. Heimlich, ohne dass es jemand mitkriegt Richtung Süden, dem Frühling entgegen.  Frühjahrsputz ? Schade, dass der sich nicht von selbst erledigt.

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Was ich mir vorgenommen habe … August 2009

Heute hab ich ein wenig vom Frankreichurlaub erzählt – viel zu wenig, um wirklich einen Eindruck geben zu können. Nun bin ich noch ein wenig zuhause, noch 3 Tage Urlaub und ich merke, wie mich die Arbeit schon wieder greift. Muss noch viel vorbereiten für eine letzte Freizeit mit den Pfadis, muss mir Gedanken machen über die ersten Wochen Christenlehre, Junge Gemeinde, TEN SING. muss mein Konzept weiterschreiben… Und schon bin ich wieder im Alltag. Dabei war´s grad noch so relaxed in Frankreich. Gern würde ich ein wenig Freundlichkeit, Lockerheit, Genießertum, guten Geschmack mit rübernehmen in den Alltag. Wenigstens einmal am Tag an die tosenden Atlantikwellen oder die rauschende Andacht in der Kathedrale erinnern. Oder an das freundliche Lächeln des Kassierers im Intermarché. Ob´s gelingt ?

Zwischen Alleinsein und Beziehungsnetz … März 2009

Zuweilen bin ich ja auch gern allein, hänge meinen Gedanken nach und freue mich, dass ich frei bin, zu denken, zu fühlen und sogar weitestgehend zu tun, was ich will. Diese Möglichkeit, keine Rücksicht auf Partner, Kinder… nehmen zu müssen, schenkt auch innere Ausgeglichenheit. Bald aber suche ich den Austausch wieder, die Nähe und den Kontakt, letztlich die Beziehung zu anderen Menschen. Heißt ja auch Verantwortung. Ohne diese wäre für mich alles bedeutungslos. Und ich bin oft erschüttert über die wenige Bereitschaft in meiner Umgebung aber auch im gesellschaftlichen Umfeld, solche Verantwortung zu übernehmen. Ist das eine Frage des Alters, dass man irgendwann anfängt „ja früher zu meiner Zeit…“ Wär´ wohl zu kurz gegriffen. Denn ich erlebe ja genauso auch Leute in meinem Alter, wo ich mich frage, wofür, warum, mit welchem Antrieb leben die eigentlich ?!

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6 Antworten auf „Einladung“

  1. Nicht schlecht das Wohnzimmer – aber ne Rotweinflasche sehe ich da stehen. Wahrscheinlich schon alle.
    Schöne Homepage – was man so alles interessantes im Web findet.
    Herzliche Grüße

  2. die blumenwiese ist wunderschön, freue mich riesig über
    alle frühlingsboten.jetzt , noch neben dem grau, wird die
    farbenpracht der natur so deutlich.

    an den platz in deinem wohnzimmer kann ich mich überhaupt nicht erinnern.
    und seit wann gibt es keinen wein mehr bei euch. 🙂
    liebe grüße

    1. Stimmt, mit dem Wohnzimmer hab ich bissel geschummelt. Es ist eine Ecke in der WOHNküche. Und Wein gibt´s wieder ab Ostern. Werde aber demnächst auch ein Foto vom Wohnzimmer machen…

  3. Hallo Friedemann,
    es ist seltsam, deine Gedanken zu lesen. Schließlich verbindet uns ja eine Beziehung der anderen Art, wenn man das so ausdrücken kann. Aber mir gefällt deine Seite.
    Ich überlege mir immer, wer meinen Blog dann lesen würde und von wem ich nicht wöllte, dass er es lese (zu viel Konjunktiv).
    Grüße aus der Ferne und einen heißen Tee,
    Paul.

  4. Du hast schon damals in Dresden diese Wirkung gehabt…es verschieben sich die Perspektiven, unbewußt greift man zu Stift und Papier um diese dann doch wieder wegzulegen – denn ich vermag es nicht diesen Wust an Gedanken, Eindrücken und Gefühlen in Worte zu fassen. Bei all dem fühl ich mich seit langer Zeit wieder einmal näher bei mir – auch weil du scheinbar immer noch einfach du bist! LG Grit

  5. Guten Abend, kommt mir sehr bekannt vor die Beschreibung vom Februar 2012. Nach Jahren vergeblichen Betens verflüchtigte sich der Vorhang vor wenigen Wochen urplötzlich und der Blick konnte bisher Undeutliches nun klarer erfassen. Es lohnt sich die Treppen noch einmal (und immer wieder) zu nehmen … .

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