Das nächtliche Wiesel – so was wie eine Fabel

Eines Nachts gehe ich in einer kleinen Stadt eine kleine Straße hinab. Völlig in Gedanken. Allein mit mir und einer gelblichen Straßenlaterne. Ich denke nach über die wichtigen Dinge der Welt. Wie es sei, etwas Neues zu tun. Große Gedanken. Geradlinig und schwer. Ein bisschen erhaben auch. Aber sie beflügeln. Wenn ich unten am Ende der Straße angekommen bin, weiß ich: morgen werde ich es tun.

Ein Seufzer entfährt mir, ohne dass ich es beabsichtigt hätte.

Da plötzlich, fast wäre ich drüber gestolpert, taucht vor meinen Füßen ein kleines flinkes, wendiges Tierchen auf. Wäre ich nicht stehngeblieben, ich hätte es glatt zertreten! Es schaut mich aus glitzernden Äuglein an. Fast kommt mir vor, es will mit mir sprechen. Da! Es vollführt eine kleine elegante Wendung und steht plötzlich auf meiner linken Seite. Dann wieder eine Drehung, ein sanftes Schwingen, ein Huschen durch den Schatten, da ist es meinen Blicken entschwunden. Schon will ich weitergehen, da taucht es wieder auf. Diesmal fixiert dieses kleine Tierchen ganz fest meinen Blick. Und dann – macht es tatsächlich sein spitzes Mäulchen auf und beginnt, kaum merklich, zu sprechen.

“Du wunderst dich sicher über mich. Ganz meinerseits. Grübelst über großen Gedanken. Falten auf der Stirn. Dir fehlt die Leichtigkeit, will sagen die Fähigkeit, die Eleganz der schnellen Drehung. Sieh mich an.” Und schon vollführte das Tierchen wieder eine seiner blitzschnellen Wendungen, so dass mir schon ein bisschen schwindlig vor Augen wurde. “Siehst du, geht es hier nicht weiter, so drehe ich mich in die andere Richtung, kommst du mit deinen groben Schuhen mir zu nahe, weiche ich einfach aus und überrasche dich aus einer ganz unerwarteten Richtung. Gehst du einfach geradeaus und denkst schon mit Seufzen an dein großes Ziel, schlage ich noch schnell einen Haken, peile mein nächstes Ziel an und habe dich vollkommen verwirrt. Und willst du mich in die Enge treiben, so ist mir die kleinste Lücke noch groß genug, um dir im Handumdrehn zu entwischen.”

Das kleine Tierchen wieselt und wuselt um mich herum, ich höre es weiter reden von List und Tücke, von Schlauheit und Taktik, lasse mich belehren über Diplomatie und Winkelzüge… Es wirbelt in meinem Kopf, dass ich nicht mehr weiß wie mir geschieht. Bis ich plötzlich wieder hellwach bin. Gerade höre ich “…du armer Tropf, nimm dir ein Beispiel an mir…” da sehe ich es schlingern neben mir, Gummi auf Pflastersteinen, ein Aufheulen eines Motors, Rücklichter am Ende der Straße und

da liegt das kleine Tierchen am Rand der Straße. Ein kleines Blutrinnsal aus dem Mäulchen. Ich schüttle den Kopf. “Armes Tierchen. Hast du nicht grad noch zu mir gesprochen?” Ungemütlich berührt gehe ich bis ans Ende der Straße.

Zeit haben

Obwohl diese furchtbare Zeit immer näher rückt, wo es nicht mehr zu übersehen ist, dass der Sommer wirklich zu Ende ist, bleibt dies Jahr die Herbst-Depri (noch ?) aus. Es ist alles anders als sonst: Meine Arbeit konnte ich abschließen, mich von allen und allem verabschieden. Kollegen, Freunde, Jugendliche, Bekannte… das Haus mit allem Drumunddaran inklusive ausräumen und ausmisten. Geschafft. Und nun drängt erstmal nichts. Einfach Zeit haben. Einfach ? Nein, einfach ist es nicht. Der Motor läuft immer noch weiter. Irgendwas muss ich doch noch erledigen ? Nachts wachliegen. Angst. Was habe ich noch nicht erledigt ? Schaffe ich das überhaupt alles – „DAS“, was ist das ? Es gehört soviel dazu zum „normalen“ Leben. Du musst arbeiten gehn und Geld verdienen. Du musst dich um deine Familie kümmern (und nicht nur die unmittelbare, denn du hast ja jetzt Zeit). Du musst dich einrichten, alles schön machen. Du musst mal wieder Sport machen, dich bewegen. Und hast solange nicht gemalt. Du musst endlich mal wieder Freunde anrufen. Du musst dich endlich mal intensiver mit der aktuellen Politik beschäftigen, du hast ja Verantwortung als Bürger. Nicht einfach alles hinnehmen, dich informieren, einmischen, eine Kampagne starten. Du musst dir endlich einen Hausarzt suchen, mal zum Zahnarzt gehn, mal eine Kur beantragen – nach all dem Stress und dem kaputten Rücken. Halt ! Was trägst du eigentlich immer noch für Lasten mit dir rum ? Warum kannst du immer noch nicht stehnbleiben, dich ausruhen, fröhlich nichts tun, aufmerksam zum Leben sein ? Ein klein wenig besser wird’s schon, wenn ich aus dem Haus durch die Gärten, am Mühlteich vorbei auf den Berg steige, zwischen den alten Bäumen, den Granitklunkern, an den Steinbruchlöchern entlang, mich hinhocke und die Bewegung des Wassers fotografiere. Einfach so, immer wieder. Die Bewegung festhalte, zur Grafik werden lasse, abstrahiere und – einfach die Zeit festhalte indem ich sie „nutzlos“ verstreichen lasse.

Schatzkästchen

Leg mir ein Kästchen an mit all den Dingen, die hilfreich sind:

… tief durchatmen, nach innen horchen, an den kleinen grünen Kobold denken, sich in den Arm nehmen, trösten, auf Abstand gehen, die Nähe suchen – ein Brücke bauen, denken an den letzten erfolgreichen Streich gegen die festgetretnen Trampelpfade…

Es ist ein Prinzip: nicht im Sumpf versinken, sich bemitleiden, in die Lethargie abtriften, nicht schwarzmalen, sich den alten Mustern überlassen. Sondern die Schätze, die guten Erfahrungen mobilisieren. Die Sammlung der geglückten Veränderungen durchforsten, sich trauen, anstoßen, wachsen lassen, kurz: sich selbst vertrauen. Die Dinge, die so schnell vergessen sind, sichtbar machen, greifbar, in der festgefahrnen, blockierten Situation verfügbar machen.

Jeder hat Schätze in sich schlummern, die ein solches Schatzkästchen füllen würden. Was lässt dich zögern ?

„Einatmen ist das erste, was wir tun, wenn wir auf diese Welt kommen…“

„… ausatmen das letzte, wenn wir uns von ihr verabschieden.“

Diesen weisen Satz hab ich von einem genialen Psychotherapeuten aus Plzen, Standa Kudrle, gehört. Es ging ein ganzes Wochenende um das Atmen. Auf eine besondere Art (ich berichtete ja schon vom „holotropen Atmen“, siehe Tags). Wiedermal ein großer Schritt nach vorn in der Arbeit mit eigenen Themen, über die ich mich aber nicht in aller Öffentlichkeit verbreiten will. So ist es überhaupt schwierig, nach so einem Seminar mit tiefen Erfahrungen und Erlebnissen, die durch die besondere Art von Trancezustand an Licht aufgetaucht sind, wieder in den Alltag zu kommen, in dem es ja viel zu oft notwendig ist, die Offenheit wieder etwas zurück zu nehmen, um nicht permanent verletzt zu werden. Was lässt sich herüber retten in den Alltag ? Es ist auf alle Fälle die Erfahrung einer „inneren Weisheit“, auf die ich mich verlassen kann, die sich in schwierigen Situationen hervorrufen lässt – das muss man ab und zu erleben, damit man‘ s nicht vergisst – und das ist eine Stärke, die sich daraus ergibt. Und natürlich Freude darüber, dass sich ein Stück unbewältigte Geschichte weitergeschrieben hat, etwas das schlecht war oder ganz einfach fehlte, sich in einer inneren Reise vervollständigt hat. Klingt vielleicht verwirrend und durcheinander, ist aber eine der faszinierenden Erfahrungen vom Wochenende.

Letztlich geht es ja genau um die Frage, was liegt zwischen diesen beiden Atemzügen ? Womit verbringe ich meine Lebenszeit ? Welche Neugeburten und welche Tode erlebe ich auf meiner Reise durch die Welt ? Mehr Bewusstheit, mehr Hinhören auf das eigene Gefühl. In dieser Hinsicht bringt ein wenig mehr Egoismus ein wunderbares Ergebnis: ich bin auch wieder sensibler für andere Menschen, für Missstände, wie auch für Schönes…

Auch diesmal wieder ein paar Bilder, die unmittelbar nach den Atemsitzungen noch völlig in der Erfahrung des gerade Erlebten entstanden sind, versehen mit einer Überschrift, die ein wenig andeutet, was sich während des Atmens so ereignet hat: „…nähe – Trauer, tief vergraben – nicht loslassen können“ (Var. 1 und 2) und „Stiller, fallender Nebel, heiliges Licht“ (Var.1 und 2)

Die Bilder suche ich nochmal, sind beim Neubau der Seite verschwunden…

Standpunkt, auch wenn´s schmerzt

Gerade aus dem Kino nach Hause gekommen: Dok-Film „Joschka und Herr Fischer“, ein spannender Film, auch wenn man weder Fan von Joschka Fischer, noch Grünen-Wähler ist. Es war ein Rundgang durch deutsche Geschichte voll Authentizität und Selbstkritik, mit Humor und analytischem Blick. Auch wenn ich seinerzeit wie viele andere die Entscheidungen des Außenministers nicht so gesehen habe, so fasziniert mich doch der Mensch und Politiker Fischer, der – wissend, dass er sich seine Partei zum Gegner macht –  trotzdem zu seinen (gewachsenen) Überzeugungen steht und nicht dem Druck der unmittelbaren Interessenlage nachgibt. Solch Rückgrat wünsche ich mir gegenwärtig von Politikern. Für eine Überzeugung einstehen, sie glühend vertreten, die Konsequenzen tragen, die vielleicht auch heißen können, nicht mehr geliebt und bei der nächsten Wahl wiedergewählt zu werden. Hier ist Joschka Fischer eben auch in der Tradition seiner Partei angetreten: Streit mit den eigenen Leuten um die richtige Entscheidung wird nicht als schädlich angesehen (die ständige Beschwörung der Geschlossenheit fehlt bei den Grünen), sondern Streit wird – wie im echten Leben auch – als ein produktiver Prozess angesehen, wenn er denn mit einer gewissen Streitkultur und dem Willen nach einem guten Ergebnis geführt wird. Das ist eine Tugend, die ich nicht nur im politischen Prozess zumeist vermisse. Und dass die Umstände es nicht leicht machen, sich zu streiten, authentisch aufzutreten, sich engagiert für seine Erkenntnis einzusetzen, ist keine Entschuldigung dafür, es nicht zu versuchen – in Politik, in Kirche, in Gesellschaft und im privaten Umfeld gleichermaßen.

Wo kommen wir denn da hin ?!

„Da kommt jeder mit einer eigenen Idee“, so laut Sächsischer Zeitung vom vergangenen Samstag Bürgermeister Rößner aus Mittelherwigsdorf. Es ging um Vorschläge für die Verwendung von 30.000 € aus Mitteln des Naturparks Zittauer Gebirge. Nun dachte ich immer, Ideen – zumal viele – sind gut: Man hat eine Auswahl, um die wirklich besten auswählen und bestenfalls umsetzen zu können. Andernorts werden extra Veranstaltungen kreiert, um solch einen Grundstock von Ideen von möglichst vielen Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensumfeldern zu bekommen. Wer darauf verzichtet (im Falle des erwähnten Bürgermeisters aus verletztem Stolz, weil seine eigene Idee nicht umgesetzt werden soll), der outet sich einmal mehr als unfähig, in einer Demokratie Leitungsverantwortung inne zu haben. Schade ist das natürlich, wenn es sich um einen Bürgermeister handelt, der ja eigentlich die Gemeinden voranbringen sollte. Auch das funktioniert besser, wenn man die BürgerInnen einbezieht, transparente Politik macht und nicht alles selber machen will. Es ist wie in einem Unternehmen: Wenn ich von oben alles durchdrücke, alles vorschreibe, eigene Meinungsäußerungen verbiete, dann muss ich mich nicht wundern, wenn Dienst nach Vorschrift gemacht wird und sich die MitarbeiterInnen zurückziehen und schaun, wie sie am besten mit dem Rücken an die Wand kommen. Und diejenigen, die noch Lust auf Mitgestaltung haben, werden auch nicht ewig Geduld haben. Es ist also auch in der Gemeinde Mittelherwigsdorf an der Zeit für eine andere Politik. Die nächste Wahl kommt ja demnächst.

SZ, Samstag, 10.09.2011: MITTELHERWIGSDORF. Verwendung von Mitteln des Naturparks ist offen

Auch mit Beschluss des Nachtragshaushalts für das Jahr 2011 sind sich die Gemeinderäte noch nicht darüber einig, wie die Mittel des Naturparks – rund 30000 Euro – verwendet werden sollten. Nachdem der Mittelherwigsdorfer Bürgermeister Bernd Rößner einen Vorschlag für ein Denkmal zur Einheitsgemeinde zurückgezogen hat, sind die Mittel jetzt im Haushalt eingestellt. Den Vorschlag der Fraktion der Offenen Liste, die Bürger um Ideen zu bitten, wies Rößner zurück. „Da kommt jeder mit einer eigenen Idee“, begründete er das. Der Naturpark Zittauer Gebirge reicht an seine Mitglieder regelmäßig Gelder aus, die dafür verwendet werden sollen, die Region attraktiver zu machen. (tz)

Verweigerung

Immer ein wenig zu spät kommen. Ein klein wenig Rebellion gegen die Verplantheit des Lebens. Als wenn man das so könnte. Alles planen. Aber so läuft´s eben. Die Woche ist voll mit Erwartungen, die man nicht enttäuschen kann. Und es bleibt dann das Sehnen nach ein wenig Unvorhersehbarem, Improvisierten. Selbst das geplante Konzert- oder Kinogehn ist zu viel. Wo bleibt der Platz, um verschwommenen Blicks und Geistes ins Nichts zu starren ? Wo bleibt das verwunderte Stehenbleiben und Lauschen ? Meist geht es eben so weiter. Man fragt nicht und macht einfach. Nur manchmal beschleicht die Frage, ob das immer so weiter geht. Und dann sage ich – wie alle vernünftigen Menschen – bau dir ein paar Inseln. Freu dich, wenn der Augenblick dir grad zulächelt. Plane dir die nächste freie Zeit, damit du dann mal richtig abschalten kannst. Also plane ich. (!)

ABSCHALTEN.

Zu einem Artikel aus der Publik-Forum im März 2011: Aussteigen für immer. Der Artikel ist leider nicht mehr im Netz zu sehen…

Komplexe Themen sind immer schwer zu beurteilen, zumal für den Laien. Es gibt aber auch Dinge im Leben, die stellen sich für den Augenblick so eindeutig und drängend dar, dass es sträflich wäre, weiter zu zögern. Zahlreiche Initiativen bemühen sich seit der Doppelkatastrophe von Japan um Druck für einen sofortigen Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie. Einige dieser Initiativen habe ich nach meinen Möglichkeiten unterstützt und ich möchte hier nochmal einen Link posten zu einer meiner Lieblingszeitungslektüren, der Publik Forum, die eine sachliche, umsichtige aber keineswegs kalte Sicht der Situation versucht hat. Publik Forum verweist dann auf die große Kampagne von Campact, die meines Wissens wohl die umfangreichste geworden ist und mittlerweile in ganz Deutschland große Beachtung gefunden hat.

Noch zwei, drei Gedanken. Das Thema der Sicherheit und des „Restrisikos“ ist noch nie so ausführlich in allen Medien und Stammtischen diskutiert worden – viele Menschen sind des Themas mittlerweile schon überdrüssig ! Neben diesen Überlegungen, bei denen man zu differenzierten Beurteilungen kommen könnte, zählt aber vor allem ein Argument: wir haben nicht einmal ansatzweise ein Endlager für die strahlende Hinterlassenschaft. Selbst wenn unsere Atomreaktoren „bombensicher“ wären, würden wir allen nachfolgenden Generationen ein unkalkulierbares tödliches Risiko hinterlassen. Schon das ist für mich Grund genug, so schnell als möglich – und wenn möglich sofort – aus der Nutzung der Atomenergie auszusteigen.

Ein Totschlagsargument ist in diesen Tagen oftmals die Preiserhöhung der Energie, wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Hier wage ich keine Prognose abzugeben. Nur soviel: Ob mit oder ohne Ausstieg haben in der Vergangenheit die Stromkonzerne immer Möglichkeiten der Preiserhöhung ge- oder erfunden. Das wird auch weiterhin so bleiben. Denn warum sollten Konzerne plötzlich aus lauter Menschlichkeit das Geldverdienen vergessen ? Ein möglicher Weg ist für mich daher der Anbieterwechsel zu einem zertifizierten Ökostromproduzenten. Das erhöht den Druck und hilft die regenerativen Energien weiter zu fördern. Hier unterscheiden sich allerdings die Anbieter und es lohnt, sich genau über die Bezugsquellen des Ökostroms und das Engagement des Anbieters bei der Förderung regenerativer Energien zu informieren. An anderer Stelle hatte ich ja schon auf die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) hingewiesen, die meines Erachtens ein vorbildhafter Anbieter sind. Mittlerweile sollte es auch allen klar sein, dass ein Wandel unserer Energiegewinnung nicht zum Nulltarif zu haben ist, auch wenn sich mit der Herstellung regenerativer Energie und die Produktion dafür erforderlicher Technik durchaus auch Geld verdienen lässt. Für mich und viele andere ist es seit Jahren oder gar Jahrzehnten schon klar, dass ein Weiter so nicht geht und eine Anpassung des eigenen Lebenswandels an die weltweit vorhandenen Ressourcen unbedingt geboten ist. Jeder, der es schon mal – freiwillig oder unfreiwillig – versucht hat, mit weniger und bewusster zu leben, wird diese Erfahrung positiv in Erinnerung haben. Und unser „Verzicht“ (wenn man ihn so nennen möchte) geschieht ja auf sehr hohem Niveau. Mit Jugendlichen habe ich neulich mal auf einer der vielen Seiten einen „ökologischen Fußabdruck“ ausgefüllt und das Erstaunen war schon ziemlich groß, wie oft es die Erde geben müsste, wenn alle so leben wollten wie wir in Deutschland. Und wer kann es ihnen mit welchem Recht verbieten ?

Hier nochmal ein paar Links zum Thema.

Der ökologische Fußabdruck: http://www.oekofuss.de und http://www.footprint-deutschland.de oder als CO2-Rechner: http://greenpeace.klimaktiv-co2-rechner.de/de_DE/popup

Und mein persönlicher Favorit, der Stromanbieter EWS: http://www.ews-schoenau.de

Sonntag in Dresden. Bilder.

Hier sollten eigentlich Bilder sein, die gingen aber verloren… die Links weiter unten sind aber noch da und sehr spannend zu lesen.

Bilder vom Hauptbahnhof und Ecke Fritz-Löffler-Straße/Reichenbachstraße. Interessant, dass wir ganz locker durch alle Polizeisperren durchgehen konnten. Wir sahen einfach zu harmlos aus. Überhaupt an den Stellen, an denen wir waren, begegneten uns sowohl friedliche Demonstranten als auch ruhige und geduldige Polizisten. Es war zwar jede Menge schweres Geschütz aufgefahren und man versuchte auch ein bisschen Respekt einzuflößen, aber das gehört eben dazu.

Traurig immer wieder, dass es dann doch immer wieder zu Gewalt kommt. Dass es immer wieder Leute gibt, für die das dazugehört. Verglichen an der Zahl der Gegendemonstranten, die insgesamt in Dresden waren, sind es zwar einzelne gewesen, aber das macht es nicht besser… Es wurde ja viel über den Sinn von Blockaden diskutiert. Fand ich insgesamt oftmals spannend. Zum Beispiel auf MDR Figaro. Oder in der Zeit und vielen anderen Stellen.

Für dieses Mal ist es wieder gelungen, den gespenstischen Spuk in Dresden zu verhindern. Wie aber wird es weitergehn ? Wie werden die Rechtsextremisten auf ihre Niederlagen reagieren ? Was ist mit der Faschistisierung der Gesellschaft im Alltag ? Ein Highlight in Dresden, viel emsige Arbeit der Nationalisten an jedem Tag. In Kindergärten, Schulen… Radikalisierung gerade im ländlichen Raum. Viel Angst, wenig Lust der Bürgerschaft, sich mit rechtem Gedankengut auseinander zu setzen.

Also eher eine zweischneidige Erfolgsmeldung aus Dresden. Naziaufzüge will natürlich keiner haben. Aber es waren eben auch die Stimmen zu hören, die eigentlich nur Ruhe und Ordnung wollten – was ja niemandem wirklich zu verübeln ist. Aber zu welchem Preis. Es ist wirklich nicht leicht, ständig aufmerksam zu bleiben, sich einzumischen, mitzudenken. Aber wir haben halt keine andere Wahl.

Erinnerungen an den 13. Februar

Natürlich, ich habe keine Erinnerungen an den Februartag 1945. Meine Erinnerungen stammen aus den achtziger Jahren, als ich zeitweise in Dresden lebte und zu diesem Gedenktag ein ganz besonderes Verhältnis entwickelte. Oft wenn ich durch die Stadt ging, vor allem in den Bezirken am Rande der Altstadt, sah ich noch Grundmauern stehen, genutzt als Grundstücksbegrenzung oder einfach so auf der Wiese. Es ließ mich immer sehr nachdenklich werden. Es war eine unmittelbare Anwesenheit von Geschichte spürbar. Nicht abstrakt, sondern sichtbar und fühlbar, wenn man offenen Auges durch die Stadt ging. Anstelle der alten Bürgerhäuser standen da meist die typischen Neubaublocks ohne jeglichen Sinn für Ästhetik, was in Dresden besonders schmerzhaft sichtbar wurde.

Und die Frauenkirchruine – ich gehörte auch zu denen, die diesen Ort sehr eindrücklich und wichtig fanden, um die Geschehnisse nicht zu vergessen. Wer einmal dabei war, als die zahllosen Kerzen vor der Ruine abgestellt wurden, der ist ergriffen. Schon damals passte diese Ruine nicht in das Bild. Es wurde immer wieder versucht, das Gedenken vor Ort zu verhindern. Jahr für Jahr gab es Verhaftungen im Umfeld, einmal erinnere ich mich, stand ein Bauzaun und sollte das Kerzenaufstellen verhindern. Später dann, als es um den Wiederaufbau ging, konnte ich mich mit dem Verschwinden dieser Ruine nicht anfreunden. Bis heute werde ich nicht warm mit dem neuen alten Bauwerk. Aber dazu wurde ja schon oft genug gestritten.

Das Erinnern ist nicht nur wegen der wiederaufgebauten Frauenkirche anders geworden. Es macht mich fassungslos und wütend, dass rechtsextreme Truppen hier, ausgerechnet hier, das Gedenken an die Zerstörung Dresdens und den Tod der vielen Menschen verhöhnen wollen. Anderseits habe ich  in die Menschen Dresdens das Vertrauen, dass sie sich nicht missbrauchen lassen.  So wie in anderen deutschen Städten sollte es doch gelingen, die Gruselaufmärsche der Rechtsextremen zu verhindern. Unterstützung von außerhalb ist sicher, weil es natürlich nicht nur eine Sache der DresdnerInnen ist…

Das Landesjugendpfarramt Sachsen veröffentlichte diesen Aufruf:

„Als evangelische Jugend finden wir es notwendig zu handeln, wenn Neonazis erneut versuchen einen der größten Aufmärsche Europas in unserer Landeshauptstadt abzuhalten und ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten. Wie im letzten Jahr in Jena, Köln, Berlin und dieses Jahr in Leipzig will sich auch 2011 in Dresden ein breites Bündnis durch Aktionen des zivilen Ungehorsams mit Menschenblockaden den Nazis entgegenstellen.

Als Christen werden wir nicht wegsehen, sondern werden uns in unserer vielfältigen Art und Weise an den Protesten gegen Aktionen von Neonazis rund um den 13. Februar 2011 in Dresden beteiligen. Wir rufen die Evangelische Jugend dazu auf, den Rechtsextremen nicht die Straße zu überlassen, sondern wollen den Neonazis, aber auch Dresden und der Welt zeigen, dass braunes Gedankengut bei uns keinen Raum haben darf und soll.“

Der Landesjugendkonvent ruft alle Einrichtungen und Mitarbeiter der Jugendarbeit in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens dazu auf, sich diesem Aufruf anzuschließen und über geeignete Wege den Jugendlichen unserer Jugendarbeit zur Kenntnis zu geben. Er hofft, auf diesem Wege so viele Menschen wie möglich zu mobilisieren und am 13. Februar in Dresden zu sehen.

Einen kleinen Text aus dem Jahr 1985 will ich hier noch veröffentlichen, auch wenn ich das heute anders schreiben würde, es berührt mich immer noch:

13. Februar

weisst du noch
als du letztes jahr an diesem tag
– es war wohl schon abends –
das zweite mal bei mir warst ?

ich kann mich noch ganz genau erinnern:
es spielte halblaut procul harum
wir hatten zusammen tee getrunken
und lange geschwiegen
die gedanken gingen
– schon halb verzweifelt –
mal zurück
rekonstruierten die letzte zeit
und sagten sich das berühmte
„jetzt oder nie“
und da hast endlich
du
das schweigen gebrochen
hast gesagt
was wir längst schon wussten…

an all das denke ich heute
heute
wo die sonne scheint
aber mich trotzdem friert
alles weiss ist und kalt
ein hubschrauber zum zeichen des friedens
seine kreise zwischen den kirchtürmen zieht
und die sirene
„mittwoch um eins“ heult…
in einem kleinen schaufenster
ein wenig abseits
stehen zwei altarkerzen –
bis jetzt brennen sie noch ruhig.