Schatzkästchen

Leg mir ein Kästchen an mit all den Dingen, die hilfreich sind:

… tief durchatmen, nach innen horchen, an den kleinen grünen Kobold denken, sich in den Arm nehmen, trösten, auf Abstand gehen, die Nähe suchen – ein Brücke bauen, denken an den letzten erfolgreichen Streich gegen die festgetretnen Trampelpfade…

Es ist ein Prinzip: nicht im Sumpf versinken, sich bemitleiden, in die Lethargie abtriften, nicht schwarzmalen, sich den alten Mustern überlassen. Sondern die Schätze, die guten Erfahrungen mobilisieren. Die Sammlung der geglückten Veränderungen durchforsten, sich trauen, anstoßen, wachsen lassen, kurz: sich selbst vertrauen. Die Dinge, die so schnell vergessen sind, sichtbar machen, greifbar, in der festgefahrnen, blockierten Situation verfügbar machen.

Jeder hat Schätze in sich schlummern, die ein solches Schatzkästchen füllen würden. Was lässt dich zögern ?

„Einatmen ist das erste, was wir tun, wenn wir auf diese Welt kommen…“

„… ausatmen das letzte, wenn wir uns von ihr verabschieden.“

Diesen weisen Satz hab ich von einem genialen Psychotherapeuten aus Plzen, Standa Kudrle, gehört. Es ging ein ganzes Wochenende um das Atmen. Auf eine besondere Art (ich berichtete ja schon vom „holotropen Atmen“, siehe Tags). Wiedermal ein großer Schritt nach vorn in der Arbeit mit eigenen Themen, über die ich mich aber nicht in aller Öffentlichkeit verbreiten will. So ist es überhaupt schwierig, nach so einem Seminar mit tiefen Erfahrungen und Erlebnissen, die durch die besondere Art von Trancezustand an Licht aufgetaucht sind, wieder in den Alltag zu kommen, in dem es ja viel zu oft notwendig ist, die Offenheit wieder etwas zurück zu nehmen, um nicht permanent verletzt zu werden. Was lässt sich herüber retten in den Alltag ? Es ist auf alle Fälle die Erfahrung einer „inneren Weisheit“, auf die ich mich verlassen kann, die sich in schwierigen Situationen hervorrufen lässt – das muss man ab und zu erleben, damit man‘ s nicht vergisst – und das ist eine Stärke, die sich daraus ergibt. Und natürlich Freude darüber, dass sich ein Stück unbewältigte Geschichte weitergeschrieben hat, etwas das schlecht war oder ganz einfach fehlte, sich in einer inneren Reise vervollständigt hat. Klingt vielleicht verwirrend und durcheinander, ist aber eine der faszinierenden Erfahrungen vom Wochenende.

Letztlich geht es ja genau um die Frage, was liegt zwischen diesen beiden Atemzügen ? Womit verbringe ich meine Lebenszeit ? Welche Neugeburten und welche Tode erlebe ich auf meiner Reise durch die Welt ? Mehr Bewusstheit, mehr Hinhören auf das eigene Gefühl. In dieser Hinsicht bringt ein wenig mehr Egoismus ein wunderbares Ergebnis: ich bin auch wieder sensibler für andere Menschen, für Missstände, wie auch für Schönes…

Auch diesmal wieder ein paar Bilder, die unmittelbar nach den Atemsitzungen noch völlig in der Erfahrung des gerade Erlebten entstanden sind, versehen mit einer Überschrift, die ein wenig andeutet, was sich während des Atmens so ereignet hat: „…nähe – Trauer, tief vergraben – nicht loslassen können“ (Var. 1 und 2) und „Stiller, fallender Nebel, heiliges Licht“ (Var.1 und 2)

Die Bilder suche ich nochmal, sind beim Neubau der Seite verschwunden…